„JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ erprobt in 35 Modellkommunen ein durchgängiges, lückenloses und passgenaues Fördersystem für benachteiligte junge Menschen am Übergang von der Schule in Ausbildung und Beschäftigung.
Junge Menschen, die den Sprung von der Schule in das Berufsleben beim ersten Anlauf nicht schaffen, bleiben oftmals frustriert zurück und drohen verloren zu gehen. Sie brauchen individuelle Unterstützung, um sich weiterzuentwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.
Ausgangslage und Ziele
Jungen Menschen mit sozialen Benachteiligungen oder individuellen Beeinträchtigungen fällt der Sprung von der Schule in Ausbildung und Beschäftigung erfahrungsgemäß besonders schwer. Nicht selten durchlaufen sie ineffektive Extraschleifen, bis sie auf eigenen Beinen stehen und ihren Platz im Berufsleben gefunden haben.Werden sie von vorhandenen Regelangeboten nicht (mehr) erreicht, bleiben sie oftmals perspektivlos zurück und drohen „verloren zu gehen“. Umgekehrt führt die gescheiterte soziale und berufliche Integration der jungen Menschen zu erheblichen Folgekosten für die Gesellschaft, die auf Grund des demografischen Wandels stärker denn je auf das Potenzial junger Menschen angewiesen ist.
Benachteiligte junge Menschen brauchen daher eine individuelle Unterstützung beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. Damit in Zukunft weniger von ihnen an dieser problematischen Schwelle „verloren gehen“, werden in ausgewählten Städten und Landkreisen neue Ansätze erprobt, junge Menschen zu stärken, ihre Kompetenzen auszubauen und damit ihre Zukunftschancen entscheidend zu verbessern.
Die bundesweit 35 Modellkommunen werden dabei unterstützt,
- neue Strukturen und Verfahren für die Zusammenarbeit der Akteure an den Schnittstellen von Schule, Arbeitsförderung und Jugendhilfe aufzubauen,
- Lücken in der bestehenden Angebotslandschaft zu erfassen und die lokale Angebotslandschaft systematisch weiterzuentwickeln,
- Angebote und Akteure rechtskreisübergreifend zu verzahnen sowie
- ihrer Steuerungsverantwortung für die Aufgaben der Jugendsoziarbeit im kommunalen Kontext (§ 13 SGB VIII) gerecht zu werden.
Umsetzung
Im Oktober 2010 ist „Aktiv in der Region“ in den 35 Modellkommunen gestartet. Es wird von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe umgesetzt, in deren Wirkungskreis es bereits Standorte der Initiative JUGEND STÄRKEN gibt, aber noch keine lückenlose und durchgängige Förderung besteht. Unter zentraler Verantwortung der Kommune werden Lücken in der bestehenden Angebotslandschaft identifiziert und durch bedarfsgerechte neue Unterstützungsangebote geschlossen.
Der Umsetzungsprozess
Der Umsetzungsprozess vor Ort besteht idealtypisch aus fünf Stufen:- Aufbau geeigneter Kooperationsgrundlagen
- Abgleich von Bedarf und Angebot
- Weiterentwicklung der Angebotsstrukturen
- Angebotserbringung, Optimierung der Schnittstellen
- Überprüfung der Zielerreichung
Die Modellkommunen erproben zum einen neue Strukturen und Verfahren der Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Zum anderen setzen sie für das Programm entwickelte Monitoring-Instrumente ein, um gemeinsam mit Trägern und Schulen vor Ort vorhandene Zielgruppen/Bedarfe und Angebote zu erfassen.
Auf dieser Grundlage können sie Lücken in der bestehenden Angebotsstruktur erkennen und datengestützte Entscheidungen zur Weiterentwicklung der lokalen Angebotslandschaft treffen. Die identifizierten Förderlücken werden durch bislang vor Ort fehlende Angebote für junge benachteiligte Menschen passgenau geschlossen.
Eine bessere Vernetzung der Anbieter von Maßnahmen und Projekten soll künftig die Übergänge zwischen den einzelnen Stationen für junge Menschen „reibungsloser“ gestalten.
Ein ergänzendes teilnehmerbezogenes Monitoring ermöglicht den Kommunen die langfristige Erfassung und Auswertung von Unterstützungsverläufen und damit die Optimierung ihrer Förderplanung. Die Dokumentation in Form von Programmfallakten führt zu mehr Klarheit, Zielbezogenheit und Reflexion der eigenen Arbeit.
Alle Modellstandorte werden während der Modellphase intensiv unterstützt und professionell begleitet.
Hintergrund
Das Modellprogramm „Aktiv in der Region“ ist Bestandteil der Initiative JUGEND STÄRKEN, mit der das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein deutliches Zeichen für eine starke Jugendpolitik und eine bessere Integration junger Menschen in Deutschland setzt.Die Initiative JUGEND STÄRKEN verknüpft vier Programme an bundesweit über 800 Standorten zu einem starken Hilfsnetz:
- „Jugendmigrationsdienste“
- „Schulverweigerung – Die 2. Chance“
- „Kompetenzagenturen“
- „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“
Sie bietet jungen Menschen mit schlechten Startchancen und jungen Menschen mit Migrationshintergrund individuelle soziale, schulische und berufliche Begleitung und Hilfen.
Für die Gesamtlaufzeit des Modellprogramms „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ von Oktober 2010 bis Dezember 2013 stellt das BMFSFJ Fördermittel in Höhe von 17 Mio. Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Als nationale Kofinanzierung sind in den Zielgebieten „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ und „Konvergenz“ mindestens 20 Prozent der Gesamtausgaben durch kommunale Mittel einzubringen.