Aktiv in der Region in Dortmund

Dortmund

Rahmenbedingungen
Dortmund ist mit rund 580.000 Einwohnern eine Metropole im westlichen Westfalen und Tor zur Rhein-Ruhr-Region. Im Rahmen des Strukturwandels wurde aus dem Dortmund des Bergbaus und der Schwerindustrie eine Stadt des Mittelstands, der Technologie und der Dienstleistungen mit einem nach wie vor starken industriellen Kern. Mittlerweile siedeln sich Branchen wie Informationstechnologien (IT), Mikro-/Nanotechnologie und Logistik, zunehmend auch Biomedizin und Robotik an.
Die Arbeitslosenquote betrug in Dortmund im Februar 2012 insgesamt 13,3 %, 11,7 % bei den 15 bis 25-jährigen und 8,3 % bei den 15 bis 20-jährigen jungen Menschen. Im Rechtskreis des SGB II ist allgemein eine Quote von 10,3 %, 8,3 % bei den 15 bis 25-jährigen und 7 % bei den 15 bis 20-jährigen jungen Menschen zu verzeichnen.
In Dortmund werden die JUGEND STÄRKEN-Programme „Aktiv in der Region“, „Schulverweigerung – Die 2. Chance“, „Jugendmigrationsdienste“ und Kompetenzagentur umgesetzt.

Ziele und Methoden
„Aktiv in der Region“ wird in Dortmund unter dem Titel „JuKoNetz Dortmund“ durchgeführt. „Jugendkompetenznetz“ steht für die Lückenschlussprojekte und Angebote zur Stärkung und Unterstützung junger Menschen und für die strukturbildenden Angebote zur rechtskreis- und trägerübergreifenden Zusammenarbeit.
Die Programminhalte von „Aktiv in der Region“ wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der 4. Dortmunder Jugendkonferenz im Februar 2010 formuliert. Auf der 5. Dortmunder Jugendkonferenz im Januar 2012 wurden die Handlungsempfehlungen der 4. Jugendkonferenz überprüft, an die neuen Rahmenbedingungen angepasst und um neue Handlungsempfehlungen ergänzt. An der Dortmunder Jugendkonferenz, die gemeinsam vom Jugendamt der Stadt Dortmund, dem Jobcenter Dortmund, den AG nach § 78 SGB VIII Jugendberufshilfe und erzieherischen Hilfen durchgeführt wird, sind freie Träger und Institutionen der verschiedenen Rechtskreise, Gesundheitsamt, Schule, Wirtschaftsförderung, Kammern und junge Menschen der Zielgruppe JUGEND STÄRKEN aktiv beteiligt.

Handlungsempfehlungen der 4. Dortmunder Jugendkonferenz, ergänzt durch Empfehlungen der 5. Dortmunder Jugendkonferenz:
  • Einrichtung einer professions- und rechtskreisübergreifenden Anlaufstelle
  • Systematisierte Identifizierung von „Risikojugendlichen“ durch Frühwarnsysteme mit abgestimmten Indikatoren und Unterstützung längs biografischer Entwicklung
  • Dokumentation von Verläufen und Kompetenzen junger Menschen in Form eines e-portfolios
  • Schaffung von sanktionsfreien, niedrigschwelligen und flexiblen Einstiegs-, Halte-, Aktivierungs- und Clearingangeboten
  • Lückenschließung bei Angeboten für Schulverweigerer/-innen in Berufskollegs
  • Mobile intensive Betreuung (aufsuchend) von zu 100 % sanktionierten jungen Menschen mit dem Ziel der Reintegration in das Fördersystem innerhalb eines Zeitraumes von 3 Monaten
  • Beratung und Begleitung von erstausziehenden jungen Menschen im SGB II
  • Erstellung einer Angebotsübersicht (Atlas) für junge unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
  • Organisation und Strukturierung der Netzwerke zur Unterstützung junger Menschen zu einer eigenständigen Lebensführung; Erstellung eines Informationsflyers und einer Datenbank
  • Schaffung eines niedrigschwelligen, zeitnahen Zugangs zu Diagnoseverfahren für junge Erwachsene
  • Einrichtung einer Stelle für einen Betriebsscout zur Vermittlung von jungen Menschen der Zielgruppe JUGEND STÄRKEN in Betriebe

Neu geschaffene Angebote

Rechtskreisübergreifendes motivierendes Sofortangebot für junge Menschen:
Im Februar 2011 wurde im Rahmen von „Aktiv in der Region“ ein Wohnmobil angeschafft. Junge Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen – schulverweigernde Jugendliche der „2. Chance“, Schüler/-innen aus BGJ- und KSOB-Klassen, Maßnahme-Teilnehmer/-innen, junge Menschen der „Kompetenzagentur“, der erzieherischen Hilfen, junge Flüchtlinge – bekamen den Auftrag, ein Beratungsmobil zu konzipieren und die Gestaltung des Außen- und Innenbereiches zu entwerfen und umzusetzen. Hinzu kamen die Umbauten und Bereiche der Fahrzeugtechnik, die mit Anleiter/-innen umgesetzt wurden. Innerhalb von 3 Monaten entstand eine Beratungsmobil, das mittlerweile für die aufsuchende Arbeit als mobiles Beratungsbüro im Rahmen der Mobilen intensiven Betreuung und für die Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt wird. Das Projekt wurde filmisch unter Mitwirkung von Teilnehmer/-innen dokumentiert (Link zum Film: www.jukonetz-dortmund.eu/jukompnetz)

Mobile intensive Betreuung (MiB), Erstauszugsberatung:
Zu 100 % sanktionierte junge Menschen aus dem Rechtkreis des SGB II werden in ihrem Umfeld durch eine Mitarbeiterin und einen Mitarbeiter des JuKoNetz aufgesucht. Nach einer Phase des Beziehungsaufbaus wird begonnen, die Gründe für den Abbruch der Mitarbeit zu bearbeiten. Hierbei wird bei Bedarf das Familiensystem einbezogen. Die Phase der Rückführung in das Unterstützungssystem ist auf 3 Monate begrenzt. Innerhalb dieses Zeitraumes wird zwischen dem jungen Menschen und dem/der Fallmanager/-in bzw. dem/der Arbeitsvermittler/-in durch den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin des JuKoNetz vermittelt und eine Grundlage für eine erneute Zusammenarbeit gelegt. Eine Nachbetreuungsphase unterstützt den Übergang in das Fördersystem.
Junge Menschen, die eine Genehmigung zum Erstauszug durch das Jobcenter erhalten, werden vom MiB-Team über Rechte, Pflichten, Aufgaben, Lebensführung und Weiteres in der neuen Lebensphase informiert. Darüber hinaus steht das Team als direkte Ansprechstelle für die jungen Menschen zur Verfügung und begleitet den Erstauszug in Form regelmäßiger Nachfragen (telefonisch) über einen Zeitraum von 6 Monaten nach dem Erstauszug.

Fallbeispiel:

Mobile intensive Betreuung (MiB)
1)
Herr S. ist 24 Jahre alt, er wurde zu 100 % im Jobcenter sanktioniert. Vorgeschichte: Er brach eine Beschäftigungsmaßnahme im GALA-Bereich ab, da er kein Interesse daran hatte. Es folgte eine weitere Maßnahme mit der Perspektive, einen Hauptschulabschluss nachzuholen und eine geförderte Ausbildung zum Altenpflegerhelfer zu absolvieren. Den Hauptschulabschluss erreichte Herr S. erfolgreich, in der Altenpflege fühlt er sich gut aufgehoben. Herr S. brach seine Ausbildung ab, da er sich um seinen erkrankten Sohn kümmerte, der mit der Mutter in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht war. Er versäumte es, dies dem Jobcenter mitzuteilen und reagierte nicht auf schriftliche Anfragen. Die Leistungen wurden eingestellt. Herr S. verlor seine Wohnung und geriet in die Obdachlosigkeit. Seine Papiere waren nicht mehr auffindbar.
Die MiB wurde beauftragt, Herrn S. ausfindig zu machen und ihn zu einer erneuten Mitarbeit mit dem Jobcenter zu motivieren. Die Kontaktaufnahme fand über die Eltern von Herrn S. statt. Die Ursachen für den Abbruch der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter wurden vom MiB-Team mit Herrn S. ebenso wie Wünsche, Ziele, Unterstützungsbedarf geklärt und weitere Schritte vereinbart. Das MiB-Team vermittelte zwischen dem Fallmanager des Jobcenter und Herrn S. und begleitete ihn bei den notwendigen Schritten.
Innerhalb des intensiven Begleitungszeitraumes von 3 Monaten konnte Herr S. soweit stabilisiert werden, dass er wieder eine eigene Wohnung beziehen, seine finanzielle Situation klären und die Voraussetzung für eine weitere Förderung schaffen konnte.

2) M. ist 20 Jahre alt und wohnt mit seiner Mutter und einem 5-jährigen Bruder in einer Bedarfsgemeinschaft. Die Mutter ist erkrankt, die Familie stark auf M.‘s Hilfe angewiesen, so dass es ihm Schwierigkeiten bereitete eigene Termine wahrzunehmen. Konflikte zwischen M. und der Mutter wurden von Seiten der Mutter mit Gewalt ausgetragen. Die Familie wechselte häufig den Wohnort innerhalb Deutschlands (8 mal), so dass es für M. nicht möglich war, einen Schulabschluss zu erlangen. Vorhandene Problematiken: Mangelndes Selbstbewusstsein, negatives Selbstkonzept, unsicheres Auftreten und Handeln, Schulden. Die Lebenslage hat M. zunehmend psychisch belastet, Termine nahm er nicht mehr wahr, er wurde sanktioniert.
Im Rahmen der MiB-Kontaktphase wurde M. aufgesucht, das Hilfeangebot vorgestellt, die aktuelle Lebenslage gemeinsam überprüft und eine Ressourcenermittlung durchgeführt. In einer 2. Phase wurden die Ursachen der Problemlage geklärt, Ziele und Umsetzungsschritte definiert und vereinbart, Bezugspersonen und Angehörige mit einbezogen und Hilfestellungen für die Mutter organisiert. Über einen Zeitraum von 3 Monaten fanden mehrerer Termine je Woche statt. M. wurde begleitet, er hat Angebote zur Steigerung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und eine Schuldnerberatung wahrgenommen.
Eine Vermittlung durch MiB zwischen dem Jobcenter und M. fand statt. M. ist in eine eigene Wohnung gezogen, er wird ab Sommer 2012 seinen Schulabschluss nachholen und zur Überbrückung und Stärkung an dem Bundesprogramm „Integration durch Austausch“ – Aufenthalt in einem Workcamp in der Türkei – teilnehmen.

Kontakt:

Stadt Dortmund
Jugendamt
Roger Kiel (Koordinator)
Märkische Str. 24-26
44141 Dortmund

Tel.: 0173 – 271 2918
Email: R.Kiel@jukonetz-dortmund.eu

Weitere Informationen erhalten sie unter www.jukonetz-dortmund.eu

Aktiv in der Region in Pforzheim

PforzheimFoto: "Aktiv in der Region" - Pforzheim

Rahmenbedingungen
Pforzheim ist eine kreisfreie Stadt im Nordwesten Baden-Württembergs am Nordrand des Schwarzwalds. Mit über 119.000 Einwohnern zählt Pforzheim zu den Großstädten Baden-Württembergs. Die Stadt ist geprägt von der höchsten Arbeitslosigkeit (7,7 %, Stand Okt. 2011) und der höchsten Jugendarbeitslosigkeit (5,8 %, Stand Okt. 2011) in Baden-Württemberg. Zudem ist der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund relativ hoch (43 %).

Alle Programme der Initiative JUGEND STÄRKEN sind in Pforzheim vertreten: „Schulverweigerung – Die 2. Chance“, „Kompetenzagentur“, „Jugendmigrationsdienste“ und das Modellprogramm „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“.

Ziele und Methoden
Im Herbst 2010 richtete die Stadt Pforzheim im Rahmen des Modellprogramms „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ eine lokale Koordinierungsstelle ein. Das Programm wird unter dem Titel „PUSCH - Pforzheim gestaltet den Übergang Schule-Ausbildung-Beruf“ umgesetzt. Ziele sind:
  • Erhebung und Pflege relevanter Daten
  • Transparenz der Angebote: Aufbau einer Projekt- und Sozialdatenbank mit den Angeboten im Bereich „Übergang Schule-Beruf“
  • Klärung der Zuständigkeit bei der individuellen Fallführung (Case Management)
  • Koordinierung des „Aktiv Clubs“
  • Erarbeitung eines Handlungskonzepts

Neu geschaffene Angebote

Aktiv Club:
Wer kann in den Aktiv Club eintreten? Alle Jugendlichen, die Unterstützung im Bereich Übergang Schule – Beruf brauchen und von Angeboten anderer Institutionen/Rechtskreise nicht erreicht werden. Ziele sind:

  • Ressourcenorientierte Kompetenzerfassung
  • Entwicklung und Ausbau sozialer Kompetenzen
  • Stärkung von Eigeninitiative und Motivation
  • Entwicklung der Ausbildungsreife
  • Entwicklung einer persönlichen Perspektive
  • Berufsorientierung
  • Vermittlung in ein Regelsystem (Schule/Ausbildung)

Fallbeispiele:

1) Mohamed (16 Jahre, Name geändert) – der 2010 seinen Hauptschulabschluss erreicht hatte – erhielt im Mai 2011 einen BVJ-Schulverweis. Gründe dafür waren soziale Verhal-tensauffälligkeiten sowie schulische Fehlzeiten von mehr als 70 %. Nach einer Eingewöh-nungsphase im „Aktiv Club“ von ca. sechs Wochen mit einer Vielzahl von Einzelgesprächen – einschließlich aufsuchender Sozialarbeit – und Gruppenaktivitäten (täglich gemeinsames Frühstück, Sportaktivitäten und freizeitpädagogische Aktivitäten) konnte Mohamed zu einem regelmäßigen Erscheinen gebracht werden. In der Folge besuchte er die innerbetriebliche Malerwerkstatt an immer mehr Tagen in der Woche. Daran schloss sich ein Praktikum in einem Malerbetrieb der Privatwirtschaft an, in welchem Mohamed seit September 2011 eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert. Die Nachbetreuung durch die sozialpädagogische Fachkraft des „Aktiv Club“ (Kontakt ca. alle zwei Wochen) stärkt sein Durchhaltevermögen, da er stolz ist, wieder Neues berichten zu können, was er geleistet hat.

2) Karin (16 Jahre, Name geändert) hat keinen Schulabschluss und wurde aus dem BVJ ausgeschlossen, da sie Fehlzeiten von über 90 % hatte. Die Ursache dafür lag unter an-derem in familiären Problemen: Karin war von häuslicher Gewalt durch den Stiefvater betroffen, eine eventuelle stationäre Unterbringung war angedacht. Nach 7 Monaten „Aktiv Club“-Teilnahme konnte Karin im Rahmen einer BVJS einen neuen Anlauf zur Erlangung des Hauptschulabschlusses starten und erreichte ihr Ziel im September 2011.

Kontakt:

Stadt Pforzheim
Jugend- und Sozialamt
Andreas Starz (Projektleiter PUSCH)
Blumenhof 4
75175 Pforzheim

Tel.: 07231 / 39 4231
Fax: 07231 / 39 2540
Email: andreas.starz@stadt-pforzheim.de

Weitere Informationen erhalten sie unter www.pforzheim.de

"Aktiv in der Region" in Kempten

KemptenFoto: "Aktiv in der Region" - Kempten

Rahmenbedingungen
Kempten im Allgäu ist eine kreisfreie Stadt mit ca. 68.000 Einwohner(-inne)n. 16,7% der jungen Menschen verlassen die Schule ohne Abschluss (Stand 2007). Gerade für die „verloren gegangenen“ jungen Menschen in der Übergangssituation nach Beendigung der Schulzeit sind die Programme der Initiative JUGEND STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von zentraler Bedeutung. Kempten ist Standort einer „Kompetenzagentur“, eines „Jugendmigrationsdienstes“ und des neuen Modellprogramms „Aktiv in der Region“.

Ziele und Methoden
Der Stadtrat der Stadt Kempten hat sich unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer bis zum Jahr 2020 fünf strategische Ziele gesetzt. Eines dieser Ziele lautet: „Kempten – eine Stadt, in der möglichst alle jungen Menschen ihren Platz in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft finden". (www.ziele2020.de)

Das Modellprogramm „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ unterstützt dieses strategische Ziel. Es bietet die Möglichkeit, bestehende Lücken in der Angebotslandschaft für junge Menschen, die von bestehenden Hilfsangeboten nicht oder nicht mehr erreicht werden, zu schließen, und ihnen dadurch eine neue Perspektive zu schaffen.

Die Umsetzung von „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ erfolgt unter dem Dach der Kemptener Gesamtkampagne „zukunft bringt´s“, die 2006 gestartet wurde. Insgesamt besteht „zukunft bringt´s“ aus 19 innovativen Einzelmaßnahmen, die das bestehende Angebot der Schulen, der Jugendhilfe und der Arbeitsverwaltung ergänzen. Zur Koordination und Steuerung wurde ein formaler Unterausschuss eingesetzt, der aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Bereiche wie Politik, Verwaltung, Schulen, öffentliche und freie Jugendhilfe, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Fachhochschule sowie Handwerk und Wirtschaft besteht.

Mit dem Start von „Aktiv in der Region“ im Rahmen einer Auftaktveranstaltung mit Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer im Oktober 2010 hat die Koordinationsstelle in Kempten ihre Arbeit aufgenommen.

Neu geschaffene Angebote

Medienwerkstatt:
Diese Maßnahme bietet vordergründig einen aktivierenden und gestalterischen Umgang mit Medien, der stärker an den Interessen der besonders benachteiligten jungen Menschen anknüpft. Junge Menschen, die sonst nicht erreichbar wären, erhalten so die Möglichkeit ins Berufsleben integriert zu werden.

Patenmodell:
Ehrenamtliche Berufspatinnen und -paten sollen den jungen Menschen unterstützend zur Seite stehen und sie immer wieder motivieren, ihren Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Mittels der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer haben die jungen Menschen die Möglichkeit, sich eine berufliche Perspektive zu erarbeiten.

Fallbeispiel:

Marcel (18 Jahre, Name geändert) arbeitet als Auszubildender im ersten Lehrjahr als Kfz-Mechaniker. Der Weg zur Ausbildungsstelle war schwierig.

Durch eine engmaschige Kooperation der verschiedenen Akteure (SGB II, SGB III und SGB VIII) in Kempten erhielt Marcel unter anderem während der Ausbildungsplatzsuche Unterstützung von der „medienwerkstatt“, die der Jugendliche regelmäßig besuchte. Hier lernte und trainierte er nicht nur den Umgang mit PC und Internet als Instrument zur Ausbildungsplatzsuche, sondern konnte sich auch in verschiedenen Medienbereichen wie Tonstudio, Fotografie und Film kreativ ausprobieren. Neben der aktiven Medienarbeit fanden auch Einzelgespräche mit dem pädagogischen Mitarbeiter statt, um dem Jugendlichen bei der Integration in die Gesellschaft und Arbeitswelt motivierend zur Seite zu stehen.

Marcel bewies nach kurzer Zeit ein sehr großes Durchhaltvermögen bei der Mitwirkung eines „Stop Motion Filmes“, welcher beim Deutschen Kinder und Jugendhilfetag in Stuttgart präsentiert wurde.

Kontakt:

Stadt Kempten (Allgäu)
Jugend-, Schul- und Sozialreferat
Herrn Thomas Baier-Regnery
Gerberstraße 2
87435 Kempten

Tel.: 0831 / 25 25 474
Fax: 0831 / 25 25 634
Email: thomas.baier-regnery@kempten.de

Einen Einblick über das Gesamtkonzept erhalten Sie unter www.zukunftbringts.de

Aktiv in der Region in Halle (Saale)

Halle (Saale)Foto: "Aktiv in der Region" - Halle (Saale)

Rahmenbedingungen
In Halle an der Saale stehen jungen Menschen, die den Sprung von der Schule in das Berufsleben nicht alleine schaffen, mit verschiedenen Programmen der Bundesinitiative „JUGEND STÄRKEN“ (Jugendmigrationsdienste, Kompetenzagentur und „Schulverweigerung – Die 2.Chance“) hervorragende Angebote zur Verfügung. Um diese Angebote besser miteinander zu verknüpfen und mögliche Zugänge zu vereinfachen, nutzt der öffentliche Träger der örtlichen Jugendhilfe die Möglichkeiten des Modellprogramms „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“.

Ziele und Methoden
Die Koordinierungsstelle „Aktiv in der Region“ gehört zur kommunalen Jugendhilfeplanung (www.jugendamt.halle.de). Eine Arbeitsgruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berufsorientierung wurde als stadtweite Arbeitsgruppe Berufsorientierung (AG BO) mit dem Ziel erweitert, sich untereinander besser zu vernetzen. Darüber hinaus unterstützt auch der bestehende Beirat der Agentur für Arbeit Halle alle Beteiligten dabei, weitere Strategien für die Region Halle zu entwickeln und vorzustellen.

Neu geschaffene Angebote

Streetwork-Jugendberufshilfe:
Die meisten bestehenden Beratungsangebote sind sogenannte „Komm-Angebote“, bei denen junge Menschen dazu ermuntert werden, selbstständig die Beratungsstellen aufzusuchen. Doch das ist für einige Jugendliche schwierig. Die Arbeitsmethode Streetwork bietet hervorragende Möglichkeiten, diese jungen Menschen aufzusuchen und an das bestehende Unterstützungssystem heranzuführen. Dazu wurde in Halle der Träger der Kompetenzagentur gewonnen.

Berufsvorbereitendes Jahr praktisch:
Um Jugendliche zu unterstützen, die über längere Zeit nicht die Schule besucht haben, gibt es in Halle bereits verschiedene Initiativen. So existieren neben dem Programm „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ der Initiative JUGEND STÄRKEN noch weitere Angebote, wie beispielsweise „Schulerfolg sichern“ von der kommunalen Jugendhilfe. Diese richten sich aber vorrangig an die Regelschule. Mit dem neuen Angebot „BVJ praktisch“ gibt es nun auch Unterstützung für Jugendliche, die mit Hilfe des Berufsvorbereitenden Jahres (BVJ) ihren Hauptschulabschluss machen. Diese Jugendlichen sind oft durch familiäre Probleme, Schulden oder Sprachprobleme beeinträchtigt und brauchen individuelle Hilfe. „BVJ praktisch“ bietet verlängerte Praxisanteile und unter Berücksichtigung der jeweiligen Interessen den notwendigen theoretischen Unterricht. Begleitend kümmert sich eine Sozialarbeiterin um die Probleme der jungen Menschen.

Fallbeispiel:

Mark (15 Jahre, Name geändert) steht an der Werkbank der Tischlerwerkstatt und baut ein CD-Regal für sein Zimmer. Konzentriert überträgt er mit der Schmiege den vorher errechneten Winkel der CD-Fächer. Mark hat festgestellt, dass Mathematik und „öde“ Winkelberechnungen sinnvoll sind – und, dass er das kann!

Allerdings hatte Mark zuvor anderthalb Jahre keine Schule mehr besucht, und ihm fehlte eine entsprechende Tagesstruktur. Anfangs half es ihm, dass er flexibel in die Werkstatt kommen konnte. Dies ersparte dem Werkstattmeister Zurechtweisungen bei Verspätungen und dem Jugendlichen Negativerlebnisse. Die Vertrauensbeziehung zu Meister und Sozialpädagogin konnte so wachsen, und Mark konnte sowohl auf dem Gebiet seiner sozialen Kompetenzen als auch bei der Werkstattarbeit Erfolgserlebnisse sammeln. Dies war für ihn ein positives Erlebnis.

Zusammen mit der Streetwork-Jungendberufshilfe, BVJ-Praktisch, dem Allgemeinen Sozialen Dienst und dem Schulamt wurde man zunächst auf Mark aufmerksam. Über die enge Verzahnung aller Akteure durch die Koordinierungsstelle des Jugendamtes wurde dann mit Mark individuell an einer Perspektive gearbeitet, in der Bildung und erfolgreicher Schulabschluss wieder wichtig sind. Mark wird im neuen Schuljahr 2011/12 ein Projekt besuchen, in dem er seinen Hauptschulabschluss erlangen kann, und er freut sich darauf.

Kontakt:

Stadt Halle (Saale)
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Schopenhauerstraße 4
06114 Halle

Tel.: 0345 – 221 5672
Fax: 0345 – 22 5652
Email: christian.deckert@halle.de

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